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Archäologische Ausgrabung auf dem Domplatz
Im Zentrum des Interesses: Die Hammaburg
Befunde aus der Dom-Epoche
Die frühe Siedlungsentwicklung
Das Johanneum: Spuren des ältesten Gymnasiums Hamburgs
Modernste Technik im Einsatz
Die Arbeit der Archäologen des Helms-Museums geht weiter

Archäologische Ausgrabung des Helms-Museums geht nach 18 Monaten zu EndeHamburg, den 11.01.2007. Das Helms-Museum, das Hamburger Museum für Archäologie, zieht nach 18 Monaten Ausgrabungstätigkeit auf dem Domplatz eine positive Bilanz: Die Ausgrabung brachte eine Fülle von Erkenntnissen, die die Hamburger Siedlungsgeschichte in einem neuen Licht erscheinen lässt. Weiterhin spannend bleibt allerdings die Suche nach dem Standort der historisch belegten Hammaburg.

Seit dem 1. Juli 2005 hat das Helms-Museum eine Grabungsfläche von etwa 3.500 Quadratmetern archäologisch erschlossen. Die Suche nach der frühen Geschichte der Stadt richtete sich allerdings nicht allein auf die Hammaburg. Zum einen ging es darum, dem Boden an einem der geschichtsträchtigsten Plätze Hamburgs seine letzten Geheimnisse zu entlocken, bevor im kommenden Jahr die Neubebauung des Domplatzes startet und alle archäologischen Spuren vernichtet hätte.



Wie bei den früheren Ausgrabungskampagnen 1947-57 und 1980-87 standen auch diesmal die Anfänge der Stadt Hamburg im Vordergrund der Untersuchungen: die Hammaburg aus dem frühen 9. Jahrhundert und der von Erzbischof Ansgar 831/32 errichtete älteste Hamburger Dom. Zum anderen sollten verschiedene Hypothesen zur Entstehungsgeschichte der Stadt Hamburg überprüft und mit zahlreichen überkommenen Vorstellungen aufgeräumt werden. Bedeutende Befunde wurden dokumentiert und wichtiges Fundmaterial gesammelt, die nun im Zusammenhang mit den Ergebnissen aller bisherigen Hamburger Altstadtgrabungen sorgfältig ausgewertet werden müssen.

Im Zentrum des Interesses: Die Hammaburg

Gerade in Bezug auf die Hammaburg konnten wesentliche Einblicke gewonnen werden. Eines scheint heute festzustehen: Die Burganlage befindet sich, entgegen älteren Annahmen, nicht auf dem Domplatz. Die Archäologen konnten zwar eine Fülle von Spuren aus dem Mittelalter bis in die heutige Zeit sichern, aber sie fanden keine Belege für die bereits 845 von den Wikingern zerstörte Hammaburg. Lange Zeit schien die Frage der Hammaburg bereits entschieden zu sein, konnte doch bei den Grabungen in den Nachkriegsjahren auf dem Domplatz eine mächtige Ringwallanlage mit vorgelagertem Wehrgraben aufgedeckt werden, die nach damaligem Kenntnisstand in das frühe 9. Jahrhundert zu datieren war. Heute wissen die Archäologen, dass mit dem Bau dieser Burganlage erst im ausgehenden 9. oder frühen 10. Jahrhundert begonnen worden ist, so dass der Ringwall für die Hammaburgzeit nicht in Frage kommt. Die Befestigung wird daher als Domburg gedeutet, erbaut zum Schutz des erzbischöflichen Mariendoms.

Die Verteidigungswerke aus der Zeit um 900 sind bei den Grabungen der vergangenen Monate noch einmal untersucht worden. Dabei konnten die Wissenschaftler gerade in der letzten Phase der Grabung noch einige wichtige Beobachtungen machen. Danach ist der Wallring der Domburg, anders als bisher vermutet, auch nach Süden zur Bille und Elbe hin geschlossen, und auch ein zuletzt entdeckter Wallabschnitt an der Buceriusstraße scheint zu der Befestigungsanlage zu gehören. Das Augenmerk der Wissenschaftler richtet sich nun besonders auf die Flächenabschnitte an der nördlichen Domstraße und den Vorplatz südlich von St. Petri sowie auf die Trasse der Buceriusstraße, wo möglicherweise weitere archäologische Untersuchungen erforderlich werden.

Die Archäologen vermuten den Standort der Hammaburg nun weiter östlich, im Verlauf der späteren Hamburger Stadtbefestigung, des sog. Heidenwalls, der um 1200 das Stadtgebiet zwischen Alster und Elbe/Bille als Abschnittswall nach Osten schützte. Es ist davon auszugehen, dass der Wallkörper der Hammaburg bei dem Angriff der Wikinger nicht abgetragen wurde, sondern weitgehend erhalten blieb. Die Wissenschaftler nehmen an, dass der Heidenwall auf den Resten der ehemaligen Hammaburg errichtet worden ist.

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Befunde aus der Dom-Epoche

Bis heute fehlt jeder archäologische Hinweis darauf, wo genau Erzbischof Ansgar 831/32 seine Domkirche erbauen ließ. Auch die laufenden Grabungen haben hier keine Klarheit schaffen können. Als gesichert darf allerdings gelten, dass der Dom von der Zeit um 900 an seinen Standort auf dem Domplatz hatte. Die Archäologen konnten aber eine Reihe von Befunden zu dem 1804-07 abgerissenen gotischen Dom sammeln. Unter anderem stieß man auf die Spuren des ehemaligen Friedhofs, von dem sich Einzelbestattungen, gemauerte Grüfte und große Knochenlager fanden. Für einige Jahre barg der Hamburger Dom sogar ein Papstgrab: Papst Benedikt V. war zunächst hier begraben, bevor seine Gebeine 999 nach Rom transferiert wurden. Zu seinen Ehren wurde am Ende des 13. Jahrhunderts ein reich mit polychromen Wandfliesen verziertes Scheingrab, ein so genanntes Kenotaph, errichtet. Reste dieser Grabstätte wurden nun während der Ausgrabung geborgen.

Die frühe Siedlungsentwicklung

In der Hamburger Stadtgeschichtsforschung wird allgemein davon ausgegangen, dass die älteste Siedlung des beginnenden 9. Jahrhunderts am Domplatz und am Reichenstraßenfleet südwestlich davon zu suchen ist, wo sich der älteste Markt und ein Schiffslandeplatz befanden. Nach den Grabungen auf dem Domplatz deutet sich aber an, dass Hamburgs Besiedlung nicht im Süden an Bille und Elbe ihren Anfang genommen hat, sondern vielmehr im Norden nahe St. Petri und zur Alster hin.

Das Johanneum: Spuren des ältesten Gymnasiums Hamburgs

Zu Beginn der Ausgrabung ergab sich für die Wissenschaftler noch einmal die Gelegenheit, mit dem 1837-40 errichteten Johanneum ein Bauwerk der profanen Backsteinarchitektur Hamburgs aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand von 1842 bauarchäologisch zu untersuchen. Hamburgs bedeutendste Bildungsstätte und Gelehrtenschule mit langer Tradition wurde 1943 durch Fliegerbomben zerstört — zurück blieben nur die Fundamente. Die Gebäudereste wurden im Zuge der Ausgrabung dokumentiert und zum Teil abgetragen. Eine limitierte Anzahl der „prominenten“ roten Backsteine des Johanneumsgebäudes konnte geborgen und aufgearbeitet werden. Diese steinernen Zeugen der Hamburger Geschichte können nun über das Helms-Museum als Erinnerungsstücke erworben werden.


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Modernste Technik im Einsatz

Schritt für Schritt wurden die historischen Kulturschichten von den Archäologen des Helms-Museums abgetragen, bis zu einer Tiefe von stellenweise über 3 Metern. Mit modernster, rechnergestützter Dokumentationstechnik erstellten die Wissenschaftler eine der spannendsten Grabungsdokumentationen der Hamburger Archäologiegeschichte. Insgesamt wurden bislang gut 2.150 Bodenbefunde erfasst und in knapp 600 Profil- und Flächenzeichnungen sowie in etwa 4.000 Digitalfotografien dokumentiert. Die erhobenen Daten füllen etwa 40 Gigabyte Speicherplatz. Darüber hinaus wurden gut 2.500 Fundkomplexe mit mehreren zehntausend Einzelfunden geborgen. Befunddokumentation und Fundmaterial liegen in Archiv und Magazin des Helms-Museums für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung bereit.

„Wenn wir unsere Grabungen Ende des Jahres beendet haben, wird alles für spätere Generationen dokumentiert und geborgen sein, was im Boden unter dem Domplatz aus der Zeit der Ursprünge dieser Stadt ruhte“, erklärt Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Helms-Museums und Landesarchäologe für Hamburg. „Das ist nicht zuletzt der Weitsicht und dem geschichtlichen Verantwortungsbewusstsein der politischen Entscheidungsträger Hamburgs zu verdanken, die gemeinsam mit den Investoren die notwendigen Mittel für eine großflächige Ausgrabung aufgebracht haben“, so Prof. Weiss weiter.

Die Arbeit der Archäologen des Helms-Museums geht weiter

Doch die Arbeit der Archäologen ist damit noch längst nicht beendet. „Um die Befunde vom Domplatz wissenschaftlich richtig einordnen zu können, müssen wir jetzt das gesamte Material sichten und in Zusammenhang mit den älteren Ausgrabungen bringen. Das Puzzle muss jetzt zusammengesetzt werden“, so Prof. Weiss. „Ein wichtiges Ziel haben die bisherigen Ausgrabungen und die umfangreiche mediale Berichterstattung allerdings bereits erreicht: Sie haben den Bürgern dieser Stadt ihr archäologisches Erbe ins Bewusstsein gebracht und sie für einen sorgsamen Umgang mit diesem Erbe sensibilisiert.“

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Informationen:
Ort der Grabungen: Domplatz (gelegen zwischen Speersort und Alter Fischmarkt)
Dauer der Grabungen: Juli 2005 bis Dezember 2006
Weitere Informationen: www.helmsmuseum.de

Quelle: Helms Museum, www.helmsmuseum.de/domplatz.htm
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