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Beitrag per Fax eingegangen/ von Jörg Hartmann
Von: Moderator 14.06.2007 | 14:31

Meiner Meinung sind in Hamburg in den letzten Jahren viel zu viele Baulichkeiten entstanden, die das individuelle Gesicht der Stadt nicht gerade unterstützen. Dazu hätte auch der Glaspalast auf dem Domplatz beigetragen.

Die optimale städtebauliche Lösung kann an dieser exponierten Stelle wohl niemand anbieten, aber eine Variante stelle ich mir schon vor. Diese hat eine Blockrandbebauung zum Gegenstand, deren Dachhöhe mit jener des benachbarten Pressehauses harmoniert. Ferner muss die Fassade verklinkert sein, um mit der gegenüberliegenden St. Petrikirche in einem optischen Einklang zu stehen. In den letzten Jahren sind etliche Gebäude im Zuge von Modernisierungsmassnahmen ihres Klinkerkleides beraubt und durch eine Fassade ergänzt worden, durch welche sie jetzt aussehen wie Recklinghausen zur Wirtschaftswunderzeit. Das ist unhamburgisch und sollte beendet werden.

Die Dachpartien sollten Schmuckelemente in Anlehnung an die Petrikirche und den früheren Dom enthalten, um so die Würde des Ortes zu betonen. Unter dem Haus wären -ggf. in mehreren Ebenen- Stellplätze für PKW einzurichten, um so den durch die Bebauung des Platzes entstehenden Verlust der Parkmöglichkeiten zu kompensieren.

Als Nutzung stelle ich mir vor, dort Einzelhandelsgeschäfte, Büros und Wohnungen einzurichten. Ideal wäre es, dort entgegen der neuesten offiziellen Verlautbarungen die Zentralbibliothek nun doch am Domplatz unterzubringen, um deren Nutzern den Besuch dieser Einrichtung im Junkieviertel am Hauptbahnhof zu ersparen (wenn man sie schon nicht mehr an den Großen Bleichen haben wollte).

Finanziert werden sollte das Projekt, wie auch andere, so z. B. die Erhaltung der Hauptkirchen, durch einen Verzicht auf die U4. Dieses Restrelikt der Mettbach-Ära verstösst m. E. sowohl gegen die Landeshaushaltsordnung (Verpflichtung zu Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit) als auch gegen Art. 1 GG, da sie offensichtlich dem Zweck dient, alle Nichtmotorisierten von der Erdoberfläche zu entsorgen.

Zwar hat diese Aussage nicht unmittelbar etwas mit dem Domplatz zu tun. Solange aber andere Projekte (z. B. auch die dringend nötige Hafenquerspange A 252) durch diesen Unsinn blockiert werden, kann es nicht oft genug erwähnt werden. Bekanntlich kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Es betrifft also unsere gesamte Freie und Hansestadt Hamburg, und insofern auch den Domplatz. Man kann nicht mehr als eine Viertelmilliarde Euro in einem sinnlosen Prestigeobjekt beerdigen, wenn andere, viel wichtiger Dinge dafür liegenbleiben.

Den Dom wieder aufzurichten, wäre widersinnig, und es würde auch niemand ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber selbst das wäre sinnvoller als der Drain-Train zum Grasbrook.

Mit freundlichen Grüssen

Jörg Hartmann







Kommentare
Hamburg und die Architektur...
von nordlicht   |   14.06.2007 | 15:47
Die Hamburger - zumindest die entsprechenden Entscheidungsträger - haben leider ein ganz außergewöhnliches Talent, die Dinge gering zu schätzen, die ihre Stadt prägen und sie unverwechselbar machen.
Da will man auch endlich "Weltstadt" sein, verleugnet sein Erbe, verschleudert sein Tafelsilber zugunsten architektonischer Massenware, die überall auf der Erde stehen könnte - und erntet damit Kritik oder sogar Hohn und Spott (Europa-Passage, Hafen-City)...
Nichts gegen einige wenige interessante Projekte an exponierter Stelle - aber Hamburgs Reiz liegt vornehmlich in seiner typischen (Backstein-)Architektur und seiner geschlossenen halbhohen Bebauung.
Glas-Stahl-Konstruktionen jeder Form und Höhe sieht man überall - warum sollte ein Tourist dafür ausgerechnet nach Hamburg kommen...?


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