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Der Platz sollte vor allem den Spirit des Ortes, den man früher Genius nannte, unterstützen
Von: Michael Batz 13.06.2007 | 17:26

Hamburg kennt Marktplätze, Kirchplätze (ehem. Friedhöfe), Parkplätze und Plätze für Schausteller. Wer Freiräume mit urbanem Gestus sucht, ist gehalten, in einen Park außerhalb der Innenstadt oder zu den Szenetreffs zwischen St. Georg und Ottensen auszuweichen.

Welch eine ironische Wendung der Geschichte, dass ausgerechnet am Domplatz, im einstigen innerstädtischen Ausland der Domherren, sich die Chance auftut, der Stadt ihren originären Stadt-Platz zukommen zu lassen.

Innerhalb der Platzfolge von Gänsemarkt, Jungfernstieg, Rathausmarkt und Gerhart-Hauptmann-Platz — allesamt Plätze mit verhaltener Aufenthaltsqualität — bietet der Domplatz die Möglichkeit, ein Platz mit ‚Tiefe' ohne dominante merkantile Rechtfertigung, überhöhte skulpturale Statements, inszenatorische Wucht und allzu deutlichen transitorischen Impuls zu sein. Als Ursprungsort und Garten der Erinnerung denke ich mir den Platz gewissermaßen ‚unendlich'.

Im Theater ist der leere Raum die Bühne unendlicher Inspiration und die Fassung jeglicher Imagination. Auf einem offenen Platz lässt sich alles denken und erzählen, ohne dass man es dann auch wirklich und uferlos tut. Doch die Wasser der Erinnerung — gern auch in ausführlicher Brunnenform — fließen ebenso wie die der Vorstellungskraft. Eine Einladung nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Spielerischen, zum Spielen, ist abhängig vor allem von dem Mut, Platz zu lassen und Platz zu gewähren. Ein Multiplex-Parkplatz aller Möglichkeiten und Nutzbarkeiten hieße abermals, an und mit der Vernünftigkeit banal zu scheitern. Die Nische, das kleine Format, das Intime und quasi Absichtslose, das Atmosphärische und vielleicht auch Versponnene haben einen großen Anteil an erfahrbarer Qualität. Das Thema ‚Verkehrsführung' spreche ich lieber nicht an...

Für die inhaltlichen Pole ‚Erinnerung' (Dokumentation der Stadtgeschichte) und ‚Entwurf' (Stadt im 21. Jahrhundert) sollten sich solche Übersetzungen finden, die die Stadt Hamburg in den Kontext internationaler Entwicklungsdynamiken stellt. Als Stadt-Spiel-Ort von Vergangenheit und Gegenwart, als Ort der Zeit und ihrer Schichtungen, lassen sich hier Stadt-Geschichten und Stadt-Schicksale erzählen bzw. darstellen, die nicht nur Architekturen meinen, sondern Menschen und ihr Leben.

Konsequenterweise hat das Nachtbild eine entsprechende Kultiviertheit, Klarheit und Ruhe aufzuweisen. Ein zurückhaltender, dezenter und differenzierter Lichtraum ohne Schnickschnack, Effekte und dekorative Dringlichkeit sollte neben hoher, unbefangener Aufenthaltsqualität vor allem eines unterstützen: Den „spirit“ des Ortes, den man früher “Genius“ nannte.







Kommentare
moin moin
von Klaus   |   14.06.2007 | 09:38
Hallo Herr Batz,

viele schöne Gedanken haben Sie da, und Ideen die mich zum Nachdenken gebracht haben.

Ja es müsste eine Stätte werden die man als Theater genauso wie als Marktplatz und Denkmal ausbilden kann, und dann mit vielen schönen Lichteindrücken versieht.

Ein Traum der wohl so nie in Erfüllung gehen wird.

Vielen Dank

Klaus


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