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Prominente Planer: Christoph Störmer
Zur Person:
Christoph Störmer ist seit 2002 Hauptpastor an St. Petri. Störmer ist 1950 geboren und in einem hessischen Dorf mit drei Geschwistern aufgewachsen. Seit 1980 ist er Pastor und Diplompädagoge, zunächst in Hamburg-Steilshoop, dann Kiel-Altenholz. Er formulierte Antworten auf „99 Fragen zum Christentum†(Taschenbuch) und macht seit 10 Jahren Radio-Andachten. Er schöpft auch aus philosophischen Quellen (z.B. Peter Sloterdijk) – und frische Luft beim Radfahren, Joggen, Fußballspielen.

Zitat:
1. Ich freue mich über die Initiative der Stadt, alle Bürger zu einer Diskussion über die Gestaltung des Domplatzes einzuladen. Am Abend nach dem letztjährigen Buß- und Bettag (23.11.2006) war ich an einer Podiumsdiskussion zum Thema Domplatz beteiligt, zu der die Katholische Akademie Hamburg eingeladen hatte. Ich hatte damals - in Anspielung auf den Sinn des leider als Feiertag abgeschafften Bußtags - die Anregung gegeben, die Stadt solle diesen Feiertag wieder einführen als öffentlichen „Denk- bzw. Umdenktagâ€. Ein Anfang dazu ist gemacht. Schön, dass dies nun mit dem Internet-Forum zwei Wochen lang möglich ist.

2. Auf der Veranstaltung am 23.11.2006 hatte der Historiker Prof. Hipp das Hauptreferat gehalten zur Geschichte des Domplatzes. Ich halte es für unbedingt lesenswert, seine Vorschläge würden die Diskussion bereichern und vertiefen. Vielleicht ist er bereit, es online zu stellen.

3. Die Petrikirche ist froh, dass der geplante Solitär nicht gebaut wird: Er hätte, wie die meisten der eingereichten Entwürfe, die als Rahmenbedingung genannte Traufenhöhe der Petrikirche deutlich überschritten. Grundsätzlich sollte auf dem Platz kein Solitär stehen, der a) durch die Größe seines Volumens den Platz zum Verschwinden bringt und/ oder der b) durch seine Höhe das freie Blickfeld wegnimmt und nicht nur die Petrikirche in den Schatten stellen, sondern auch die Katharinenkirche außer Sichtweite bringen würde.

4. Der Domplatz – das habe ich immer betont – ist ein Kulturort und ein Kult-Urort. Dem müsste eine zukünftige Gestaltung Rechnung tragen. Prof. Hipp in besagter Rede: „An diesem besonderen Ort haftet nicht nur die Würde eines heiligen Ursprungs. Ebenso lastet darauf soziale Amnesie, das Vergessen für seine jahrhundertelange Bedeutung im Gemeinwesen ...†Jonas Ludwig von Heß schrieb 1810: „Durch die Wegschaffung des Doms ist die Stelle, welche dieses weitläufige Gebäude einnahm, mit dem Kirchhofe vereint zu einem weiten freien Platz geworden. Was aus dieser Leere werden soll, darüber scheint man sich noch nicht einverstanden zu sein. Sehr zu wünschen wäre es, daß der schöne, befreite Fleck nicht von neuen Gassen eingenommen, und durch Gebäude eingeengt werde, da es der Stadt gar sehr an offenen freien Plätzen mangelt, die für die Gesundheit der Einwohner so ungemein zuträglich sind.†Besonders Letzteres möchte ich unterstreichen, zumal zur Gesundheit auch die Seele gehört. Und Beseelungsräume zum Aufatmen und Durchatmen darf und sollte es durchaus auch außerhalb der Kirchenmauern geben.

5. Wie könnte also der Domplatz konkret aussehen, als Urort (Geburtsstätte Hamburgs), als Kulturort, der bildet und erinnert (ursprünglich hatte ich mir hier auch die zentrale Bücherhalle gewünscht, doch die wäre wohl doch zu überdimensional und ist am Hühnerposten inzwischen gut angekommen; stattdessen würden einige Ausgrabungsreste gut inszenierbar sein), und als nicht kommerzialisierter Erholungsraum, in dem man auch auf dem Weg zwischen Hafencity und Innenstadt Lust hat zu verweilen? Auch dazu gibt es Anregungen aus der Historie: „Domherr†Meyer regte 1819 an, zu erwägen, ob dabei nicht die aus dem Schappendom bewahrten Granitsäulen Verwendung finden könnten „als letzter Überrest der Uralten Hamburgischen Stiftskirche ... und den Brunnen unter einer von diesen Säulen getragenen Kuppel anzulegenâ€. Nun wurden nach dem Hamburger Brand drei dieser Säulen für den erweiterten Wiederaufbau in die Petrikirche verbracht. Deshalb mein Plädoyer: durch Säulen, Skulpturen, ja, auch Arkaden dem Platz eine Struktur zu geben. Und warum nicht auch mit einem lebendigen Wasser, als Brunnen, beleben!

6. Summa, mit Professor Hipp: „Zum Hamburger Dom gehörte von Anfang an und bis an sein Ende ein schöner, großer, freilich am Schluss ruinöser Kreuzgang, also eines jener außerirdisch ruhigen Raumgebilde, die dann, wenn wir sie mitten in Städten antreffen - wie etwa in Magdeburg - uns schlüssig die Idee eines Heterotopos vergegenwärtigen, um den Begriff Michel Foucaults für die einfache Tatsache anzuwenden, dass die sinnliche Andersartigkeit nach Überschreiten von Schwellen die maximale Wirkungsmacht von Architektur ausdrückt: Mitten in der Stadt die eremitisch beschauliche Ruhe und grüne Naturbezogenheit eines gehegten kleinen Paradieses, eines kunstvollen Architektur-Garten-Ensembles.

7. Und wie einen solchen „Anderort†finanzieren? Dazu hätte ich den Vorschlag: Autos verschwinden lassen. Unter dem Domplatz könnte die Stadt mit einer Tiefgarage sich eine Geldquelle schaffen.
Christoph Störmer, Hauptpastor von St. Petri




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